Das Menschenbild in der Neuoffenbarung

Eine Bemerkung zum Beginn

Die nachfolgend angeführten Gedanken entsprechen in etwa meinem persönlichen Bild vom Menschen. Dieses ist in mir entstanden zum Teil aus eigenen Ueberlegungen, durch Studium von anderen Systemen philosophischer Art und vor allem auch durch das Lesen in den Werken der Neuoffenbarung. Nach meiner Ansicht herrscht keine grosse Diskrepanz zwischen den hier von mir vertretenen Meinungen und den Darstellungen im Lorberwerk. Ich bin keineswegs der Ansicht, dass alles von mir Dargestellte genau der Wirklichkeit entspricht. Ich möchte Sie als Leser daher bitten, nicht so sehr auf meine vielleicht allzu menschlichen Gedanken abzustellen, sondern im Zweifel unbedingt der Neuoffenbarung den Vorrang zu geben. Nehmen Sie meine Ueberlegungen einfach als gutgemeinte Anregung. Vielen Dank!

Alles ist Geist

Gott ist der Urgeist, die Urkraft, aus der alles hervorgegangen ist, was existiert. Seine eminenteste Eigenschaft ist Seine Liebe. Die wahre Liebe ist nicht auf sich selbst gerichtet, sondern will sich einem Du schenken, das seinerseits wieder Liebe empfinden und schenken kann. 'Geben ist seliger denn Nehmen.' Dies gilt insbesondere auch für die Liebe. Liebe kann man nicht erzwingen; sie muss freiwillig aus dem Herzen kommen. Gott hat andere, von Sich verschiedene, endliche, aber freie Wesen aus Sich heraus gestellt: die urgeschaffenen Geister.
Ein Bild: Ein begabter Bastler hat ein kleines, kunstvolles Werk geschaffen, das einem Kätzchen völlig ähnlich sieht. Es kann auch die selben Tätigkeiten vollziehen wie ein wirkliches, lebendiges Kätzchen, aber man braucht ein Steuerpult, um das kleine Kätzchen ferngesteuert zu den einzelnen Tätigkeiten zu bewegen. Auf Knopfdruck lässt es ein Miauen hören, auf einen andern hin geht es zum Topf um zu fressen, es  legt sich schnurrend auf sein weiches Lager, und wenn man es ihm durch Tastendruck befiehlt, dann kommt es zu einem her und streicht einem schmusend um die Beine. Der stolze Bastler führt sein kleines Wesen einem Freunde vor. Dieser aber sagt zu ihm: "Es ist ja sehr schön und interessant, was du da zustande gebracht hast; aber ich kenne jemanden, der auch ein Kätzchen gefertigt hat. Aber bei ihm ist keine Fernsteuerung eingebaut. Es hat seinen eigenen freien Willen. Aber denke dir einmal, welche grosse Freude es diesem Künstler bereitet, wenn das eigenwillige Tierchen sich selbst entschliesst, zu ihm zu kommen und ihm seine Zuneigung spontan zu zeigen!"
Liebe ist frei und kann nicht erzwungen werden. Auch Gott kann und will das nicht. Er hat die Geister als freie Wesen aus Sich herausgestellt. Und diese Geister müssen lernen, sich in ihrer Eigenständigkeit festigen, und ihre gottgewollte Vollendung finden sie nur dann, wenn sie sich den Gesetzen der göttlichen Liebesharmonie unterwerfen und nicht egoistisch ihre eigenen Wege verfolgen.
Ein Bild: Ein Orchester soll ein neues Werk einstudieren. Viele Proben sind angesetzt. Doch ein Trompetenbläser findet öfters die richtigen Töne nicht. Zwei, drei falsche Töne, und der Dirigent unterbricht den Passus. Das geht nicht lange so. Der Dirigent sagt zum Falschspieler: "Pack deine Trompete zusammen und geh nach Hause. Uebe dort, bis du deinen Part besser beherrschst. Wenn du dann so weit bist, kannst du wiederkommen, oder lasse es überhaupt bleiben."
Gott ist Geist, und alles, was er geschaffen hat, sind auch Geister - freie Geister, die lernen müssen, richtig mit ihrer Freiheit umzugehen. Wem das nicht gelingt, wer sich selbst allem voranstellt, wer sich nicht einordnen kann unter das göttliche Liebesgesetz, wer falsch spielt, der muss die Konsequenzen solchen Verhaltens tragen.

Der Fall der Geister

War nicht Luzifer (=Lichtträger, der mächtigste der geschaffenen Urgeister) mit seinem Anhang ein solcher Falschspieler, der alles durcheinanderwarf (Diabolos)? Die Geister sind frei. Sie tun und lassen, was sie können und wollen. Was sie können, das liegt in ihrer Natur. Je stärker sie gerichtet sind, umso mehr ist ihre Freiheit als Folge ihres eigenen Verhaltens eingeschränkt.
Ein Bild: Ein kleines Kind, das gerade gelernt hat, auf allen Vieren in der Stube herumzukriechen, bewegt sich immer wieder auf die offene Feuerstelle zu, bei der es sich aufrichtet und versucht, mit der Hand in die offene Glut zu langen. Die grössere Schwester, die dies beobachtet, eilt schnell herbei und bringt das unerfahrene Kind zurück in eine sichere Entfernung vom gefährlichen Feuer. Das Kleinkind aber wiederholt seine Versuche, zur Feuerstelle zu gelangen, bis schliesslich der Vater eingreift und das Kind in ein Laufgitter setzt. Darin hat es zwar immer noch Freiheiten, aber eine ist ihm genommen, nämlich sich die Hände am Kamin zu verbrennen. Im Laufgitter kann es weinen, spielen, einschlafen,... aber es bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich in sein Schicksal zu fügen.
In der wunderbaren Welt der Urschöpfung waren alle Geister frei, harmonisch miteinander zu kommunizieren; nur ein Falschspiel gegen die Regeln der Liebe musste alles durcheinanderbringen. Der göttliche Dirigent aber griff ein und versetzte die fehlbaren Geister in ein Laufgitter: Er verdichtete die Gedanken der widerspenstigen Geister (Entstehung der Materie) derart, dass sie darin gefangen blieben, aber jedem gefallenen Geist bleibt es offen, sein Herz zu bewegen und in die göttliche Ordnung zurück zu kehren.

Die Evolution in der materiellen Welt und die Erschaffung von Adam und Eva

Das Laufgitter, von dem im obigen Bild die Rede ist, stellt die materielle Welt dar, die in einer phantastisch eingerichteten Evolution ein Zurückkehren zur göttlichen Liebesharmonie für die verirrten Geister ermöglicht. Diese Entwicklung ging vom Mineralreich über die Pflanzen- und die Tierwelt bis hin zu den ersten Menschen (Voradamiten), die sich körperlich und seelisch so weit entfalteten, dass schliesslich vor rund 6000 Jahren in Adam und Eva die ersten Vollmenschen geschaffen werden konnten. Es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen den Menschen vor Adam und jenen nach ihm.
Zitat aus dem Buch von Kurt Eggenstein (Der Prophet Jakob Lorber ...): "Der adamitische Mensch ist mit den Vor- und Urmenschen, von Lorber zutreffend auch Tiermenschen genannt, überhaupt nicht vergleichbar. Ein tiefer Abgrund trennt sie: 'Jeder Mensch, der auf Erden geboren wird, bekommt einen Geist aus Mir und kann nach der vorgeschriebenen Ordnung die vollkommene Kindschaft Gottes erhalten (Erde und Mond)'. "
Zitat aus dem Grossen Evangelium Johannes, Band 7, Kap. 221: "Dass es aber auch schon lange vor Adam menschenähnliche Wesen gegeben hat, das ist ganz sicher und wahr, und es bestehen noch derlei Wesen auf der Erde; aber es ist zwischen ihnen und den eigentlichen freien Menschen ein gar übergrosser Unterschied. Der wahre Mensch kann sich selbst bis zur vollen Gottähnlichkeit heranbilden und Gott und Seine Werke durch und durch erkennen, vergleichen, beurteilen und ihren Zweck begreifen; aber der gewisse Tiermensch wird dazu wohl nimmer imstande sein."

Der Fall im Paradies und die Erbsünde

Zitat aus dem Grossen Evangelium Johannes, Kap. 121, 7-8: "Es ward im Anfange aber nur e i n  Menschenpaar auf die Erde gesetzt, und es hiess der Mann 'Adam' und das Weib 'Eva'. Dieses erste Menschenpaar  ward von Gott aus mit allen Fähigkeiten ausgerüstet. Es hatte tiefe Erkenntnisse, einen höchst klaren Verstand und einen machtvollsten freien Willen, vor dem sich alle anderen Geschöpfe beugen mussten. Zu diesen Fähigkeiten bekam es auch aus dem Munde Gottes eine hellste und wohlverständliche Offenbarung, die ihm ganz frei und offen zeigte, was es zu tun habe, um die Bestimmung, die ihm von Gott gestellt wurde, auf dem kürzesten und leichtest wandelbaren Wege zu erreichen. Aber daneben zeigte ihm Gott auch an, dass es ganz frei sei und dem geoffenbarten Willen Gottes auch zuwider handeln könne, so es nach dem Triebe des Fleisches und der Materie der Welt handeln wolle; aber dann werde es sich dadurch selbst ein Gericht und mit demselben auch den Tod bereiten."
Wie die Sache ausging, das wissen wir. Es ist vor allem der seelische Schaden - eine schmerzende Wunde und eine schlecht verheilende Narbe - welchen sich Adam und Eva durch ihr Fehlverhalten zufügten, der ihren Nachkommen bis auf den heutigen Tag weitervererbt wird. Wenn es heisst, der Mensch sei von Natur aus schlecht, dann ist es nicht eine üble Anlage, mit der Gott die Menschen geschaffen hat, sondern es ist die Krankheit, die die ersten Menschen sich freiwillig zugezogen haben.

Die Erlösungstat Jesu Christi

Aber Gott lässt die gefallenen Menschen nicht im Stich. Immer wieder hat Er den verirrten Menschen Offenbarungen zukommen lassen, die ihnen den richtigen Weg weisen konnten. Insbesondere im auserwählten Volk der Juden erweckte er Propheten, die auch auf ein kommendes grosses Ereignis hinwiesen: Der Vater im Himmel erbarmt sich der unglücklichen Menschen und inkarniert sich selbst im Menschensohn Jesus, dessen innerster Geist Er also selbst ist. Zu seiner Erlösungstat lesen wir:
Zitat aus 'Robert Blum', Band 2, Kap. 157,9: "Christus ist allein der Mittler zwischen Gott und der Menschennatur. Durch den Tod Seines Fleisches und durch Sein vergossenes Blut hat Er allem Fleische, das da ist die alte Sünde Satans, den Weg gebahnt zur Auferstehung und Rückkehr zu Gott! ... Mache dich teilhaftig diese grössten Erlösungswerkes Gottes durch das Fleisch und durch das Blut Christi, so wirst du rein sein vor Gott! Denn kein Wesen und kein Ding kann rein werden durch sich, sondern allein durch die Verdienste Christi, die da sind die höchste Gnade und Erbarmung Gottes. Du allein vermagst nichts, alles aber vermag Christus!"

Geistige Wiedergeburt und Reich Gottes

Für den christlich erzogenen Menschen sollte es eigentlich nicht schwierig sein, den rechten Lebensweg zu finden. Wenn ihm aber der wahre, lebendige Glaube an Jesus Christus fehlt, dann muss er auf Umwegen und durch schmerzliche Erfahrungen weiterzukommen versuchen. Der Glaube allein macht gewiss nicht selig, aber wer den Glauben verwirklicht und das Gebot der Liebe hält, der kommt ins Reich Gottes, der erreicht die geistige Wiedergeburt.
Zitat aus Erde und Mond, Kap. 70: "Auch müsst ihr euch die wiedergeborenen Auffinder Meines Reiches nicht als eine Art Karthäuser oder Trappisten vorstellen, die in allem und jedem für die Welt vollkommen gestorben wären, sich mit nichts mehr beschäftigen als mit Rosenkranz, Messe und Litanei, mit lächerlichem Fasten, mit Verachtung des weiblichen Geschlechtes, strenger Verfluchung der Sünder und als Zeitvertreib mit der Betrachtung ihres Grabes und Sarges.  ... Liebe zu Mir, grosse Herzensgüte, Liebe zu allen Menschen, das ist in einem Bündel beisammen das richtige Zeichen der Wiedergeburt; wo aber dieses fehlt, und wo die Demut noch nicht für jeden Stoss stark genug ist, da nützen weder Heiligenschein, noch Kutte, noch Geistervisionen etwas, und alle dergleichen Menschen sind dem Reiche Gottes oft ferner als manche andere mit einem sehr weltlich aussehenden Gesichte; denn, wie gesagt, das Reich Gottes kommt nie mit äusserem Schaugepränge, sondern lediglich inwendig, in aller Stille und Unbeachtetheit, in des Menschen Herz. Dies prägt euch so tief als ihr nur immer könnt in euer Gemüt, so werdet ihr das Reich Gottes viel leichter finden als ihr es meinet."

Das Leben nach dem leiblichen Tode

Dass es nach dem Ableben auf unserer Erde mit uns Menschen nicht einfach aus ist, das spüren heute leider viele nicht mehr mit Gewissheit in sich. Wer die Gnade hat, die Jenseitsoffenbarungen durch Jakob Lorber kennen zu lernen, der kann seinen Glauben an ein Weiterleben gewaltig stärken.  Er erfährt hier so viel Interessantes und Aufbauendes über die Verhältnisse im Jenseits, dass er sich zu wundern beginnt, warum diese Tatsachen unter den Menschen nicht besser bekannt sind. Zwar findet der Suchende genügend Berichte über das jenseitige Leben, aber unsere heutige Wissenschaft hat praktisch alle diese Bezüge ausgeklammert, und leicht wird man verdächtigt, einem Aberglauben verfallen zu sein, wenn man sich mit solch unglaubwürdigen Sachen abgibt.
Im Religionsunterricht wurde uns damals Folgendes vermittelt: Der Mensch hat eine unsterbliche Seele. Nach dem irdischen Tode kommt er ins Jenseits, wo er nach seinem Leben beurteilt wird. Drei Möglichkeiten sind offen. Wenn ein Mensch sehr gut gelebt hat, so kommt er direkt in den Himmel. Ist er aber schuldbeladen, so kommt es auf die Schwere seiner Sünden an. Hat er Todsünden begangen, die er bist zum Tode nicht gesühnt hat entweder durch eine vollkommene Reue oder durch die Beichte, dann wird er von Gott für ewig in die Hölle verbannt. Sind seine Sünden aber nur lässlicher Natur, dann muss der Verstorbene ein Fegefeuer durchmachen, welches ihn von seiner Schuld befreit, worauf er dann auch in den Himmel gelangt. Ist der Mensch einmal gestorben, so kann er sich nicht mehr frei für das Gute ober das Böse entscheiden. Der Zug ist abgefahren. (Ob die Vertreter der Kirche heute noch diese Meinung vertreten, müsste im Einzelfall untersucht werden.)
In der Neuoffenbarung steht es anders. Die Rückentwicklung der gefallenen Geister zu Gott geschieht in einem langen Prozess, der schon vor der Inkarnation als Mensch auf Erden beginnt und mit dem Ablegen des materiellen Leibes nicht zu Ende ist. Die Geister sind und bleiben frei. Wenn ein Leben auf Erden nicht genügt, den Menschen zur geistigen Wiedergeburt zu bringen, dann geht es eben im Jenseits weiter unter freiwilliger Mitwirkung der Betroffenen, und wenn es gut ist, dann kann der Mensch auch erneut in einen materiellen Körper einverleibt werden, sei es auf einem fremden Weltkörper oder eventuell sogar wieder auf unserer Erde. Von einer Selbsterlösung des Menschen ist aber dabei in keiner Weise die Rede. Wie weiter oben gesagt ist Christus allein der Mittler und Erlöser. Würden wir uns Ihm hier schon anvertrauen und Ihm unser Herz schenken, dann erlangten wir die geistige Wiedergeburt, und unsere Entwicklung könnte im Himmel unbeschränkt fortgesetzt werden.

Die hohe Bestimmung der Menschen dieser Erde

Zitat aus der Geistigen Sonne, Band 2, Kap. 2,13-15: "Doch die Kinder der Erde sind Mir am nächsten, weil Ich sie dort wesenhaft persönlich im Fleische zu Meinen ersten Kindern gemacht habe. ... Diesen Meinen Kindern ist es von Mir aus gegeben, mit Mir zu beherrschen, zu erforschen und zu richten die Unendlichkeit und alle zahllosen Schöpfungen in ihr. Und die Kinder aus den anderen Gestirnen stehen ihnen also zu Diensten, wie die Glieder eines Leibes zum Dienste des Willens im Geiste allzeit bereitstehen. Daher bilden diese Geister mit einem Meiner Kinder im grossen Massstabe der Liebetätigkeit nach genommen wie  e i n e n  Menschen, versehen mit allen zum Bedarfe seines Willens notwendigen Gliedern. Demnach ist ein Kind von der Erde aus Mir gehend ein vollkommener Wille von zahllosen anderen Geistern aus den Gestirnen, die zwar an und für sich auch ein jeder seinen eigenen Willen haben und können tun nach ihrer freien, wonnigen Lust, was sie wollen. Dennoch aber geht in liebewirkenden Fällen der Wille meiner Hauptkinder in sie alle aus und ein, und dann sind sie zu Milliarden wie   e i n  Mensch, dessen Willensgeist eines Meiner Kinder ist."